Die Cordillera Real zieht sich über mehr als 100 Kilometer durch die bolivianischen Anden, östlich des Titicacasees und unmittelbar hinter dem Hochland von La Paz. Obwohl das Gebirge nur etwa 16 bis 17 Grad südlich des Äquators liegt, tragen zahlreiche seiner Fünf- und Sechstausender Gletscher. Ursache ist vor allem die Lage zwischen dem trockenen Altiplano im Westen und dem feuchten Amazonasbecken im Osten, aus dem feuchte Luftmassen gegen die Anden strömen. Gipfel wie Illimani, Illampu, Ancohuma und Huayna Potosí bilden eine geschlossene Hochgebirgskette aus steilen Felsgraten, Gletschern und hoch gelegenen Tälern.
Das Gebiet bietet klassische Hochtouren ebenso wie anspruchsvolle Besteigungen großer Sechstausender. Einige vergletscherte Berge können bei geeigneten Verhältnissen auch mit Ski bestiegen werden, doch die Cordillera Real ist kein klassisches Skitourengebiet mit durchgehend verlässlichen Schneeverhältnissen. Höhe, starke Sonneneinstrahlung, Gletscherspalten und rasch wechselnde Schnee- und Eisbedingungen bestimmen den Charakter der Touren. La Paz und El Alto auf rund 3.600 beziehungsweise 4.000 m Höhe sind die wichtigsten Ausgangspunkte und ermöglichen bereits vor der eigentlichen Bergtour eine erste Akklimatisation.
Europäische Forschungsreisende erkundeten die hohen Gipfel bereits im 19. Jahrhundert. Charles Wiener erreichte 1877 einen Nebengipfel des Illimani, nicht jedoch dessen höchsten Punkt. Die erste dokumentierte Besteigung des Hauptgipfels gelang 1898 dem Briten William Martin Conway mit den italienischen Bergführern Antoine Maquignaz und Louis Pellissier. In der Mitte des 20. Jahrhunderts unternahmen Bergsteiger wie Hans Ertl zahlreiche weitere Erstbegehungen und Erkundungen in den bolivianischen Anden. Heute gehört die Cordillera Real zu den bedeutendsten Hochgebirgsregionen Boliviens – und ihre stark schrumpfenden tropischen Gletscher sind zugleich wichtige Wasserspeicher für den Großraum La Paz.