Ladakh liegt im äußersten Norden Indiens zwischen Himalaya und Karakorum. Das Hochland wird vom Indus durchzogen und liegt größtenteils mehrere tausend Meter über dem Meer. Weil die hohen Gebirgsketten einen großen Teil der Monsunwolken abschirmen, gehört Ladakh zu den trockensten Regionen des Himalaya: kahle Berghänge, Geröllwüsten und weite Hochflächen bestimmen die Landschaft. Landwirtschaft ist fast nur dort möglich, wo Schmelzwasser über traditionelle Kanäle auf kleine Felder und in die Siedlungen geleitet wird. Im Norden steigen die Berge des Karakorum bis weit über 7.000 m an.
Wegen seiner Sprache, Klöster und engen historischen Verbindung zu Tibet wird Ladakh häufig „Klein-Tibet“ genannt. Tibetischer Buddhismus prägt besonders den Raum um Leh und Zanskar; Klöster wie Hemis, Thiksey und Alchi sind bis heute religiöse und kulturelle Zentren. Hinter dieser buddhistischen Tradition liegen ältere Glaubensvorstellungen und Einflüsse des Bön, der vorbuddhistischen beziehungsweise parallel zum Buddhismus entwickelten tibetischen Religion. Ladakh war zugleich nie kulturell einheitlich: Im Westen um Kargil leben überwiegend schiitische Muslime, daneben gibt es unter anderem Balti-, Dard- und nomadische Gemeinschaften. Über Jahrhunderte war die Region ein Knotenpunkt der Handelswege zwischen Tibet, Kaschmir und Zentralasien.
Diese alten Verbindungen wurden im 20. Jahrhundert durch neue Grenzen durchschnitten. Seit der Teilung Britisch-Indiens 1947 liegt Ladakh mitten im Kaschmir-Konflikt. Die Waffenstillstandslinie zwischen Indien und Pakistan – heute die Line of Control – verläuft westlich von Ladakh; besonders die Region um Kargil wurde wiederholt zum Kriegsschauplatz, zuletzt beim Kargil-Krieg 1999. Auch im Norden und Osten sind Grenzen umstritten. Dadurch gehört Ladakh heute zu den militärisch sensibelsten Hochgebirgsregionen der Erde – alte Karawanenwege enden vielerorts an modernen Grenzlinien.