Der 6.893 m hohe Ojos del Salado überragt die Hochwüste der Región de Atacama an der Grenze zwischen Chile und Argentinien. Er ist der höchste aktive Vulkan der Erde und Teil einer außergewöhnlichen Landschaft: Salzseen, Lavafelder und farbige Wüstenebenen liegen auf mehr als 4.000 m Höhe, darüber erheben sich zahlreiche Sechstausender. Niederschläge sind selten, Vegetation verschwindet in den Hochlagen fast vollständig – die Dimensionen der Atacama-Puna wirken entsprechend karg und weit.
Neben dem Ojos del Salado prägen Berge wie Tres Cruces, Incahuasi und San Francisco die Region. Viele dieser Gipfel sind technisch vergleichsweise moderat, verlangen durch die enorme Höhe, Trockenheit, Kälte und Abgeschiedenheit dennoch vollständige Expeditionserfahrung. Am Ojos del Salado führt die Normalroute überwiegend über Geröll, Schnee und vulkanisches Gelände; erst kurz unter dem Gipfel wartet eine kurze Felspassage.
Alpinistisch erschlossen wurde die Region maßgeblich durch eine polnische Expedition von 1937. Jan Alfred Szczepański und Justyn Wojsznis gelang dabei die Erstbesteigung des Ojos del Salado; weitere Mitglieder der Expedition bestiegen mehrere bis dahin unerforschte Sechstausender der Atacama. Noch viel älter ist die Geschichte der Menschen in diesen Höhen: Archäologische Funde auf zahlreichen Andengipfeln zeigen, dass bereits präkolumbische Kulturen die Berge als heilige Orte aufsuchten.
Die klassische Expeditionszeit fällt in den südamerikanischen Sommer, vor allem von Dezember bis März. Große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, heftiger Wind und die extreme Trockenheit bestimmen den Charakter der Touren. Wasser und Brennstoff müssen sorgfältig geplant werden – in den Hochlagern des Ojos del Salado gibt es teilweise weder Quellen noch zuverlässig Schnee zum Schmelzen.