Bergsteigerschule Zugspitze
Winterwanderung am Spitzingsee: Bergpanorama zur Zugspitze in der Dämmerung mit verschneiten Hängen und Nebelbändern.
Winterwanderung zum Rotwandhaus am Spitzingsee: Steinbau mit Satteldach auf schneebedecktem Gipfelplateau mit Bergkette
Winterwanderung zur Rotwand am Spitzingsee: verschneiter Steilhang mit Gipfelkreuz und Wanderer in roter Jacke

Samstagmorgen - es kann los gehen!

Mit Sack und Pack und meinen Wanderschuhen stehe ich an diesem Morgen pünktlich am heutigen Treffpunkt – Zum Schneeschuhwandern, zur Hüttentour und zu einem kleinen Abenteuer abseits der gewohnten Pfade. Zusammen mit einem Guide und sieben weiteren Anfängern wollen wir die kleinen großen Gipfel der Voralpen erobern.

Schaufelglück

Nachdem ich meine ganz persönliche Ausrüstung zu Hause zusammengekramt habe und stolz darüber bin, den kleinsten Rucksack dieser Welt zu tragen, stehe ich nun etwas planlos in der Landschaft herum: Zur Leihausrüstung gehören neben Schneeschuhen und -stöcken auch ein LVS-Gerät (Lawinensuchgerät), das um den Bauch geschnallt wird, als auch Lawinensonde sowie Schaufel, die im Gepäck verstaut werden müssen. Und zu allem Überfluss ist damit keine Miniaturschaufel gemeint, sondern ein metallisches Instrument, das in jedem Hüttenkrimi die Hauptrolle spielen würde. Mit meinem geballten Tetris-Kenntnissen der letzten Jahren finde ich dann doch noch eine Lösung und bin schließlich abgehbereit - Auf zum ersten Gipfel!

Sieben Schneeschuhwanderer steigen in einer Reihe einen verschneiten Hang am Spitzingsee auf, dahinter Nadelbäume und Felsen.

Im Entenmarsch

Langsam nähern wir uns der Piste, auf der uns Skifahrer entgegen sausen. Im Entenmarsch folgen wir in gerader Linie dem Guide den Berg hinauf. Darauf bedacht uns nicht selber auf den Füßen zu stehen, liegt der erste kleine Anstieg schnell hinter uns.

Trekkingstöcke mit Winterhandschuhen im Schnee vor Bergpanorama beim Schneeschuhwandern am Spitzingsee.
Schneeschuhtour am Spitzingsee: Schneeschuhwanderer in verschneitem Bergkessel vor markantem Felsengipfel im Gegenlicht.

Verschnaufpause – Jacken wechseln

Es geht weiter der Sonne entgegen. Ich lasse meinen Blick über die Bergkämme schweifen und verliere mich in der Schönheit der Landschaft. Träume mich weit weg und bin doch ganz bei mir. Fast schon meditativ lasse ich meine Stöcke in den Schnee absinken, höre nichts als meinen vertrauten Rhythmus und das Klappern der Schuhe. Mir steigt der bekannte Geruch der kalten Nadelwälder in die Nase und ein breites Lächeln zieht sich über mein Gesicht. Wandersglück.

Gemeinschaftlich beschließen wir den Raukopf (1.691 m) als ersten Gipfel zu erklimmen. Ich folge den anderen über ein Stück Stacheldraht und finde mich bald in einem steilen Hang wieder. Wir erfahren, dass sich an der Ferse der Schneeschuhe ein Metallbügel befindet, durch dessen Hochklappen sich der Aufstieg erleichtert. Wie auf Stöckelschuhen tapse ich den anderen hinterher und stehe bald vor der imposanten Kulisse. Bergliebe lässt grüßen.

"Ein Vorteil an Schneeschuhen ist, dass sie im Schnee nicht einsinken - Der Nachteil ist, dass sie im Schnee nicht einsinken."

Wie ein Skispringer stehe ich im Berg und tapse mich vorsichtig hinab. Meine Fußspitzen zeigen in Fallrichtung und ich gleich mit. Nach Gewichtverlagern und Verlagerungsgewichten schaffe ich es schließlich den ersten kleinen Hügel hinab und bin erleichtert, als die Hütte nicht mehr fern ist.

Schneeschuhwanderin in pinker Jacke posiert mit ausgebreiteten Armen auf schneebedecktem Gipfel am Spitzingsee.
Schneeschuhtour am Spitzingsee: Person in pinker Jacke formt Herzgeste auf verschneitem Gipfel vor weitem Bergpanorama
Schneeschuhwanderer zeigt vom Gipfel auf das Bergpanorama beim Schneeschuhwandern am Spitzingsee im Winter.
Schneeschuhtour-Einkehr in der Oberen Maxlraineralm: rustikaler Holzgastraum mit Kuhglocken, blau-weiß karierter Tischdecke

Zimmer beziehen & endlich Kaiserschmarrn

Nach einer warmen Nacht und Weißwurst-Frühstück am Morgen, stehen wir frisch gestärkt in den Startlöchern. Am heutigen Tag wollen wir die Rotwand (1.884 m) besteigen und anschließend ins Tal hinab wandern. Mit viel Gelache und noch mehr Geschnaufe stapfen wir den Berg hinauf und erreichen schon bald die ersten Felsnasen auf dem Weg zum Ziel.

Vorsichtig setze ich auf dem schmalen Pfad die Füße voreinander, achte darauf, dass sich die Schneeschuh-Zacken in den Boden bohren und ich mein Gewicht über der Ferse verteile. Immer wieder bleibe ich stehen und lasse die Landschaft auf mich wirken. Ich bin verliebt in die Sonne, den Himmel und die schneebedeckten Gipfel.

Frühstücksbuffet mit Früchten, Brötchen, Müsli und Aufschnitt in der rustikalen Oberen Maxlraineralm – Einkehr
Schneeschuhtour am Spitzingsee: Blick durch ein Hüttenfenster auf verschneite Berghänge im Morgen- oder Abendlicht.

Mir bricht gleich ein Zacken aus der Krone

Wir queren einen Hang und lernen dabei wie man auf steilen Passagen voran kommt. Immer wieder bricht der Schnee unter unseren Füßen weg. Doch erst nachdem wir den wunderschönen Gipfel erreicht haben, wartet das große Finale...

„Ein Gipfel gehört dir erst, wenn du wieder unten bist, denn vorher gehörst du ihm“ (Hans Kammerlander)

Ich beobachte fasziniert, wie sich Skifahrer in die Tiefe stürzen, ehe mir bewusst wird, dass ich den selben Weg auch zu bezwingen habe. Augenblicklich spüre ich mein Herz wild schlagen - Schmetterlinge aufsteigen. Mit meinen Fußspitzen in Richtung Tal mache ich die ersten Schritte auf der schiefen Ebene. Lasse ich mich nach unten gleiten und werde gleichzeitig durch den Griff der Zacken gebremst. Schneemassen bahnen sich ihren Weg und ich gleich mit. Ich atme tief ein. Bekomme mehr und mehr ein Gefühl für das Absteigen, den Berg, die Schuhe. Schritt für Schritt nähere ich mich dem sicheren Boden. Ich mache noch einen oder zwei letzte Schritte und komme schließlich viel zu schnell unten an.
 

Bei vielen netten Gesprächen und noch netteren Menschen lasse ich die Berge hinter mir, mit der Gewissheit schon bald zurückzukehren!

Schneeschuhwanderin in pinker Jacke mit Teleskopstöcken beim Abstieg auf verschneitem Hang am Spitzingsee
Zwei Personen bei einer Winterwanderung am Spitzingsee stehen im Pulverschnee zwischen schneebedeckten Fichten bei Dämmerung
Drei Personen auf Schneeschuhtour traversieren ein offenes Tiefschneefeld im Lechquellengebirge vor schneebeladenem Nadelwald

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Geschrieben von

Sara Schütze

Gast

Veröffentlicht am 21.02.2022 · Lesezeit: 4 min